Der Aufstieg

1015, wahrscheinlich im Herbst, segelte er mit zwei bemannten Knorren nach Norwegen. Diese Datierung scheint sicher, denn Sigvat Tordsson berichtet in seiner Erfidrápa, dass Olav 15 Jahre nach seiner Erhebung zum norwegischen König fiel. Die Sagas berichten weiter, dass Olav Håkon Jarl Eriksson dort zufällig getroffen habe. Dessen Mutter war Gyda, die Tochter Svend Tveskægs und damit die Schwester Knuts des Großen. Von einem Kampf zwischen den beiden wird von Sigvat, der sein Gedicht kurz nach der Begegnung verfasste, nichts berichtet. Ottar Svarte berichtet allerdings 7 Jahre nach der Begegnung, es sei Olav gelungen, Håkon mit seinem Schiff und seinen Männern gefangen zu nehmen. Er habe ihn aber gegen das Versprechen, nicht mehr gegen Olav zu kämpfen, freigelassen. Es ist möglich, dass sich zur Zeit der Abfassung von Ottars Gedicht die politische Situation bereits so geändert hatte, dass es in der Umgebung von Olav wichtig erschien, dass sich Håkon in der Gewalt Olavs befunden und seine Oberherrschaft anerkannt habe, und Olav gleichzeitig als großmütig zu zeigen. Die meisten Sagas behaupten, Håkon habe sich nach England begeben, die kleine Saga Ågrip, die älteste Qelle, dass Håkon die Herrschaft über die Suderøy-Inseln (bei den Färøern) erhalten habe und dort bis zu seinem Lebensende geblieben sei.

Der erste Kampf Olavs, über den berichtet wird, ist die Schlacht bei Nesjar (Vestfold, heute der zu Larvik zählende Ort Brunlanes) gegen den Jarl Sven, Onkel Håkons väterlicherseits. Die Schlacht fand Palmsonntag statt. Wenn sie im ersten Frühjahr nach Olavs Rückkehr stattgefunden hat, dann war dies der 25. März 1016. Sven hatte nur wenige Bauern aus dem Inneren Trøndelags bei sich. Offenbar waren die aus dem äußeren Teil Trøndelags und aus Vestland nicht mitgezogen. Dagegen hatte Olav eine große Truppe. Sigvat, der bei der Schlacht dabei war, meint in seinem Preisgedicht Nesjavisur, das habe daran gelegen, dass Olav freigiebig, Sven aber geizig gewesen sei. Olav war aus England mit größeren Geldmitteln heimgekommen, später hat er sogar eigene Silbermünzen schlagen lassen (es wurden nur zwei davon 1924 gefunden). Sigvat nannte die Trønder Svens Leute, aber Olavs Männer kamen aus Oppland und Hedemark. Olav begann also mit seiner Macht im inneren Ostland. Entgegen der Sagatradition, nach der Olav freiwillig zum König erwählt worden sei und die, die ihn gewählt hätten, hätten später einen verräterischen Aufstand angezettelt, berichtet der Skalde Ottar in seinem Høfuðlausn ausführlich über die Kämpfe Olavs:

Du kämpftest mit den Königen Hedmarks und gabst ihnen, was sie verdienten. Alle flüchteten außer dem, der am weitesten im Norden saß und dem Du die Zunge herausschneiden ließest. Nun herrschst Du über die weiten Gebiete, die vorher fünf Könige innehatten, auch den Osten bis Eidskog. Kein König hatte vorher ein solches Reich.

Ottar dichtete seinen Text kurz nach 1020 und gibt an, dass diese Kämpfe forum, also vor langer Zeit stattgefunden hätten. Der Kampf fand also statt, bevor er König geworden war. Snorris Darstellungsabsicht des guten und gesetzestreuen Königs führte zu einer Umstellung des Ablaufs: Der Verfasser der Legendarischen Olavssaga lässt Olav sofort nach seiner Landung die Kleinkönige zusammenrufen und sie vor die Wahl stellen, entweder ihre Königswürde niederzulegen und seine Lehnsmänner zu werden, oder getötet zu werden. Die meisten hätten sich gebeugt. Nach diesem Verfasser wollte Olav das Christentum mit allen Mitteln zügig durchsetzen.

Wenn man bedenkt, dass die Schlacht bei Nesjar sich im dänischen Einflussbereich abspielte und Olav früher in England unter dänischen Heerführern gekämpft hatte, ist eine Feindschaft zwischen ihm und dem dänischen König Knut, wie sie Fagrskinna und Snorri in seiner Olafssaga schildern, unwahrscheinlich. In beiden Quellen ist die Gegnerschaft zwischen Knut und Olav ein durchgängiges Motiv. Nach ihnen soll er sogar in England gegen die Dänen gekämpft haben. In der späteren Heimskringla lässt ihn Snorri dann auch auf dänischer Seite kämpfen, allerdings nur in einer unbedeutenden Rolle. Weiterhin lässt er Olav nach dem auf 1008 fehldatierten Tod von Svend Tveskægs sofort und auf Dauer auf die englische, also dänenfeindliche Seite wechseln. Eine genaue Analyse der Quellen ergibt aber, dass Olav ein gutes Verhältnis zu Knut gehabt haben muss, ja dass es wohl eine Absprache zwischen Olav, Knut und Håkon gegeben hat, dass Olav Norwegen erhalten solle und Håkon nach England würde. Die Überfahrt mit nur zwei Handelsschiffen und die friedliche Aussprache mit Håkon sprechen dafür. Eine solche Absprache zwischen Knut und Olav würde auch erklären, warum Sven 1016 so wenig Unterstützung für die Schlacht bei Nesjar fand.

Was aus Sven geworden ist, sagen die Skalden nicht. Nach den Sagas ist er erst nach Schweden, dann nach Russland gegangen, wo er gestorben sei.

Im Jahre 1024 hielt Olav zusammen mit seinem Bischof Grimkjell, ein Engländer und Neffe des Bischofs Sigvard, der unter Olaf Tryggvason Bischof in Norwegen gewesen war, eine Kirchenversammlung in Mostar ab, bei der er die Christianisierung des Landes durchsetzte und die Organisation der Kirche in Norwegen festlegte. Die Christianisierung war nach den archäologisch fassbaren Begräbnissitten zu dieser Zeit jedoch bereits weit fortgeschritten. Auch sein späterer Gegner Erling Skjaldsson war bereits Christ, wie aus einem Gedenkstein hervorgeht, den ein Priester seinem Herrn Erling nach dessen Kampf mit Olav errichtete.