Der Heilige

Bald nach seinem Tod wurde Olav zu einem Märtyrer stilisiert. Es gibt keine Information darüber, wie er ein Heiliger wurde. Sicher ist nur, dass es sehr rasch ging. Sigvats Erfidrápa von 1040 berichtet bereits von einer Olavsmesse, einem Heiligenschrein und von Wundern an seiner Leiche unmittelbar nach seinem Tod. Aus den Sagas geht hervor, dass auch seine Widersacher unmittelbar nach seinem Tod seine Heiligkeit erkannten. In den 60er Jahren des 11. Jh. findet sich in England bereits den liturgischen Text einer Olavsmesse im Red Book of Darley aus dem Bistum Sherborne, welches bereits fast die gleichen Gebete enthält, die später im Missale Nidarosiense von 1519 zu finden sind, und auch in einem Brevier, das von Bischof Leofric von Exeter seiner Kirche geschenkt worden war (The Leofric Collectar), in welchem Olav gedacht wird.

Snorri gibt in seinem Bestreben, die Geschichte nach einem profanen und politischen Plan ablaufen zu lassen, als einziger der Heiligsprechung eine staatsrechtliche Form: Var þá biskups atkvæði og konungs samþykki og dómur allsherjar að Ólafur væri sannheilagur. ("Da kamen des Bischofs Erklärung, des Königs (Svein) Zustimmung und des Volkes Entscheidung, dass König Olav heilig sei"). Daraufhin wurde er in einen Schrein gelegt und dieser auf dem Hochaltar der Klemenskirche in Nidaros aufgestellt. Das soll am 3. August geschene 1031 geschen sein. Damit legt er den Grundstein, für seine weitere Darstellung der religiös-politischen Entwicklung. Wenn er damit auch die richtige Linie gesehen hat, so dürfte seine Darstellung nicht den Tatsachen entsprechen. Zwar ist der Tag wohl richtig, denn sein Festtag knüpft an eben diese Translatio an. Aber dass König Svein diese Heiligsprechung für gut befunden haben sollte, erst recht nicht, dass der in Nidaros damals ansässige dänische Bischof Sigurd, der gegen Olav in Stiklestad gehetzt hatte, diese Entwicklung gebilligt haben soll, ist nicht glaubwürdig, so dass sie eher nach Sveins Vertreibung 1034 oder 1035 anzusetzen ist. Das Interesse der Kirche lag allerdings in einer möglichst frühen Heiligsprechung. Auch das Volk dürfte dabei kaum eine Rolle gespielt haben. Der Heiligenkult ist für diese Zeit in Skandinavien nicht nachzuweisen. Es gibt aus der Missionszeit manche Runeninschriften mit Gebeten zu Gott für einen Toten, aber keine Fürbittgebete an Heilige. Olavs Bischof Grimkjel kam aber von England, wo es heilige Könige bereits gab. Diese gaben ihren Erben eine besondere Legitimität eines göttlich sanktionierten Königsheils, was dynastischen Bestrebungen entgegenkam. Das Grab Olavs wurde bald zur großen Pilgerstätte, von der bereits Adam v. Bremen für die 70er Jahre des 11. Jh. berichtet.

Erst in den 90er Jaren des 19. Jh. bekam das Olavsfest neuen Aufschwung. Hier stand die religiöse Erneuerung im Vordergrund. Der Grundtvigianer Christopher Bruun wollte einen Gottesdienst in der Domkirche halten, was ihm der Dompropst abschlug. Daraufhin hielt Bjørnstjerne Bjørnson vor ca 6000 Menschen eine große Rede in Ilevållen. 1997 wurde zum 1000-Jahrsjubiläum am 29. Juli erstmalig ein ökumenischer Gottesdienst vom Bischof in Nidaros Finn Wagle mit Bischöfin Sofie Pedersen aus Grönland, dem Bischof Davis Tustin aus Grimsby (England), dem babtistischen Pastor Tor Rønneberg, der Pfingstler-Pastorin Marit Landrø, dem Metropoliten von Moskau, Kyrill, und Kardinal Cassidy aus Rom gefeiert. Seitdem finden die Olavstage jährlich Ende Juli statt.