Nachwirkung

Es ist erstaunlich, welche Bedeutung Olav in Anbetracht seiner kurzen Regierungszeit in der Nachwelt erhalten hat. Es ist also fraglich, ob seine Bedeutung zu Lebzeiten seiner Bedeutung nach seinem Tode entspricht. Zunächst ist festzustellen, dass seine Regierungszeit gegen Ende des Prozesses zur Reichseinigung, den man von 995 bis ca 1050 ansetzen kann, liegt. Unter ihm wurde die norwegische Kirche als Institution gestaltet. Das Land erhielt ein Königtum, das schon entwickelter war als zu Zeiten Harald Hårfagres. Dazu haben aber sicher auch Olav Tryggvason und Knut der Große beigetragen. Vieles, was er in Gang setzte, kam erst unter Magnus den Guten und Harald Hardråde zur Vollendung. Aber selbst beim Kirchenaufbau stellt sich die Frage, ob seine Initiative so epochal war, wie die Quellen sie darstellen, oder ob er nicht vielmehr nur einen Schritt zu den Schritten seiner Vorgänger hinzugefügt hat. Immerhin ist festzuhalten, dass sein Untergang nichts mit der Einführung des Christentums zu tun hatte, er historisch kein Märtyrer war. Vielmehr war das Land im Wesentlichen bereits christianisiert. Er konnte daher leicht bereits in den ersten Regierungsjahren die Überreste des Heidentums tilgen. Sein Widersacher Erling war selbst Christ. Das vollständige Ausbleiben jeglicher heidnischer Reaktion nach seinem Tode belegt hinreichend, dass es keine Konfrontation zwischen Heidentum und Christentum mehr gab. Das Bedürfnis der Kirche, einen königlichen Märtyrer als Landesheiligen aufzubauen, hat zu dieser nachträglichen Darstellung geführt. Auch die Darstellung des milden und gerechten Königs dürfte übertrieben sein, wenn Olav auch bereits zum wikingen Menschenbild des kämpfenden Manes auf Distanz gegangen sein mag, als er bei seinem Aufenthalt in der Normandie sah, wie Kirche und Herzog Hand in Hand die Zersplitterung und Auflösung des Landes erfolgreich bekämpft hatten. Aber der räuberische Einfall in Dänemark in Abwesenheit Knuts zeigt, dass er in der Praxis sich von der Vergangenheit noch nicht vollständig gelöst hatte.

Er hat entgegen vieler Darstellungen auch das Lehnswesen nicht eingeführt. Es ist überhaupt zweifelhaft, ob er überhaupt Lehnsleute hatte. Die Skalden verwenden den Ausdruck lendrmaðr so gut wie nicht. Sie sprechen durchweg von Hersen. Sigvat wendet ihn auf Erling Skjaldsson an, den mächtigsten Mann nach dem König und sein Widersacher. Die endgültige Mediatisierung der Adelsgeschlechter und ihre Einbindung in Reichshierarchie geschah erst später.

Bereits unter seinem Nachfolger Magnus wurde die Vorstellung entwickelt, dass Olav sowohl mit der Dynastie als auch mit dem Land aufs engste verknüpft bleiben müsse. Bald werden Gedichte verfasst, nach denen die späteren Könige ihre Macht von Olav d. Heiligen erhalten. Stein Herdisson dichtete 1070 für den König Olav Kyrre und seinen Widersacher, den dänischen König Sven Estridsson:

An Sven will nicht
der kampfstarke Fürst sein Erbland geben
solange er sitzt in Kaupang
wo der heilige König weilt.
Seinem Geschlecht will Olav gönnen
die Macht in ganz Norwegen.
Hier darf Ulvs Sohn (= Sven) nicht
sich Erbe nennen.

Mitte des 12. Jh. wurde daraus ein staatsrechtlicher Grundsatz mit dem heiligen König als rex perpetuus Norvegiae.